Nachhaltige Farben spielen im Branding eine wichtige Rolle, denn Farben wecken bestimmte Assoziationen und beeinflussen, wie wir eine Marke wahrnehmen. Grün, Blau, Erdtöne oder sanfte Naturfarben können Werte wie Naturverbundenheit, Umweltbewusstsein und einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen visuell unterstützen. Dein Logo ist oft der erste Berührungspunkt mit deiner Marke, umso wichtiger ist eine Farbwelt, die zu deinen tatsächlichen Werten und deinem Angebot passt.
Inhalt
Wie nachhaltige Farben im Branding wirken
Die Psychologie hinter nachhaltigen Farben
Nachhaltige Farben & Green Claims: Was sich ab September 2026 ändert
Diese Farben werden besonders stark mit Nachhaltigkeit verbunden
Nachhaltige Farben müssen nicht immer grün sein
Welche Farben weniger nachhaltig wirken
Farbkombinationen für nachhaltige Marken
Praxisbeispiele nachhaltiger Marken
Farben erzeugen Emotionen. Sie wecken Assoziationen, die tief in unserem Unterbewusstsein verankert sind. Wenn du an Nachhaltigkeit denkst, welche Farben kommen dir spontan in den Kopf? Wahrscheinlich Grün, vielleicht auch Erdtöne oder sanfte Naturfarben. Genau darum geht es bei nachhaltigen Farben: Die richtige Farbwahl in deinem Logo kann Werte wie Naturverbundenheit, Umweltbewusstsein oder einen bewussten Umgang mit Ressourcen auf den ersten Blick vermitteln.
Farben beeinflussen uns mehr, als wir oft bewusst wahrnehmen. Studien zeigen, dass Farben nicht nur Stimmungen erzeugen, sondern auch Entscheidungen lenken. Für nachhaltige Marken können Farben deshalb gezielt eingesetzt werden, um Werte wie Naturverbundenheit, Verantwortungsbewusstsein und einen bewussten Umgang mit Ressourcen visuell zu unterstützen.
Ab 27. September 2026 gelten in Österreich durch die Umsetzung der EU-EmpCo-Richtlinie strengere Regeln für Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen in der Werbung. Dabei geht es nicht nur um Begriffe wie „umweltfreundlich“, „grün“ oder „klimafreundlich“: Auch Bilder, grafische Elemente oder Symbole können Teil einer Umweltaussage sein. Die EU-Richtlinie weist außerdem ausdrücklich darauf hin, dass eine schriftliche oder mündliche Aussage in Kombination mit Farben oder Bildern eine allgemeine Umweltaussage darstellen kann. Das bedeutet aber nicht, dass nachhaltige Farben wie Grün, Blau oder Erdtöne oder auch Naturbilder künftig verboten sind. Entscheidend ist vielmehr, welche Botschaft die gesamte Gestaltung vermittelt und ob eine damit verbundene Umweltaussage auch tatsächlich gerechtfertigt ist. Das heißt: Farben und Bilder dürfen weiterhin Naturverbundenheit und Umweltbewusstsein vermitteln. Die Kommunikation sollte aber möglichst konkret bleiben und keine größere Umweltleistung suggerieren, als tatsächlich dahintersteckt.
Grün ist die wohl nachhaltigste Farbe schlechthin. Sie steht für Natur, Wachstum und Pflanzen. Ob dunkles Waldgrün oder frisches Blattgrün – die Farbe kann einer Marke eine natürliche und naturverbundene Wirkung verleihen. Deshalb setzen viele Unternehmen aus den Bereichen Bio-Lebensmittel, nachhaltige Mode oder Umweltschutz auf Grün. Die Farbe unterstützt dabei die gewünschte Markenwirkung. Wichtig die Farbe alleine ist aber kein Beleg dafür, dass ein Produkt oder Unternehmen tatsächlich umweltfreundlicher ist.
Blau ist die Farbe von Wasser, Himmel und Weite. Sie vermittelt Ruhe, Stabilität und Vertrauen. Viele nachhaltige Unternehmen setzen auf Blau, weil die Farbe häufig mit Klarheit, Verantwortung und einem bewussten Umgang mit Ressourcen verbunden wird. Besonders in Kombination mit Weiß wirkt Blau modern und fortschrittlich und eignet sich deshalb gut für Marken aus den Bereichen nachhaltige Technologien, Energie oder verantwortungsbewusste Dienstleistungen.
Braun, Beige oder Terrakotta erinnern an Holz, Erde und Naturmaterialien. Sie wirken ehrlich, authentisch und bodenständig. Besonders gut passen diese Farbtöne zu Marken mit einem Fokus auf handgemachte Produkte, natürliche Materialien oder einen bewussten Lebensstil. Erdtöne vermitteln Ruhe und Beständigkeit und werden häufig mit Naturverbundenheit, Natürlichkeit und einem reduzierten, bewussten Design verbunden.
Ein sanftes, warmes Gelb kann deine Marke sympathisch und lebendig wirken lassen. Es steht für positive Energie, Sonnenkraft und Optimismus. Perfekt für Marken, die Freude und Lebensfreude transportieren wollen. In Bereichen wie nachhaltiger Landwirtschaft oder erneuerbarer Energie wird Gelb gerne eingesetzt, weil es an Sonne und Licht erinnert.
Zarte Naturfarben wie Sand, Creme oder helles Grau wirken minimalistisch, ruhig und modern. Sie werden häufig mit einem bewussten, reduzierten Lebensstil verbunden und passen deshalb besonders gut zu nachhaltigen Lifestyle- und Modebrands. Pastelltöne wirken dezent und harmonisch und können eine natürliche, zurückhaltende Markenidentität visuell unterstützen.
Nicht nur Grün wird mit Nachhaltigkeit verbunden. Auch andere Farben können – je nach Farbton, Kombination und Gestaltung – Natürlichkeit, Achtsamkeit, Langlebigkeit oder einen bewussten Lebensstil vermitteln.
1. Violett – Luxus trifft auf Naturbewusstsein
Violett wird häufig mit Kreativität, Luxus oder Spiritualität verbunden. In sanften Lavendel- oder Fliedertönen kann die Farbe aber auch Ruhe, Achtsamkeit und Natürlichkeit vermitteln. Besonders in Bereichen wie nachhaltiger Kosmetik oder Wellness wird Violett gerne eingesetzt, um einen hochwertigen, ruhigen und naturnahen Eindruck zu vermitteln.
2. Grau – Minimalismus und Langlebigkeit
Grau wird oft als kühl oder industriell wahrgenommen. In Kombination mit sanften Naturtönen wie Beige, Braun oder Grün kann die Farbe jedoch Minimalismus, Klarheit und eine reduzierte Ästhetik unterstützen. Besonders in nachhaltiger Architektur oder im Eco-Design eignet sich Grau gut für Marken, die Modernität, Beständigkeit und Langlebigkeit vermitteln möchten.
3. Rosa – Nachhaltige Sanftheit
Rosa wird häufig mit Leichtigkeit, Sanftheit und Verspieltheit verbunden. In gedeckten oder pastelligen Varianten kann die Farbe auch Ruhe, Harmonie und Natürlichkeit ausstrahlen. Deshalb setzen Marken aus den Bereichen nachhaltige Mode, Naturkosmetik oder Fair Trade oft auf dezente Rosatöne.
4. Schwarz – Hochwertigkeit und Zeitlosigkeit
Schwarz wird auf den ersten Blick eher mit Eleganz, Luxus oder Technologie als mit Nachhaltigkeit verbunden. In einem minimalistischen und reduzierten Design kann die Farbe jedoch Werte wie Zeitlosigkeit, Langlebigkeit und bewussten Konsum unterstützen. In Kombination mit Erdtönen oder natürlichen Materialien entsteht häufig eine hochwertige und zugleich zurückhaltende Markenwirkung.
5. Orange – Energie mit ökologischem Bewusstsein
Orange steht für Energie, Lebensfreude und Dynamik. In gedeckten, erdigen Nuancen wie Terrakotta oder Rostorange wirkt die Farbe gleichzeitig warm, natürlich und bodenständig. Gerade für Outdoor-, Food- oder Reisemarken kann Orange eine interessante Ergänzung zu klassischen Naturfarben sein.
6. Türkis – Innovation und Umweltbewusstsein
Türkis verbindet die Ruhe von Blau mit der Frische von Grün. Die Farbe erinnert an Wasser, Weite und Klarheit und wirkt gleichzeitig modern und lebendig. Besonders gut passt Türkis zu Marken aus den Bereichen Umwelttechnologie, erneuerbare Energie oder nachhaltige Innovationen, die einen frischen und zeitgemäßen Auftritt suchen.
Es gibt keine verbotenen Farben für nachhaltiges Branding. Manche Farbtöne werden jedoch stärker mit Natürlichkeit, Ruhe oder Naturverbundenheit assoziiert als andere. Entscheidend ist immer, wie Farben eingesetzt, kombiniert und mit Bildern, Formen und Texten verbunden werden. Farben wie Neonpink, Knallrot oder sehr künstlich wirkende Blautöne sind deshalb nicht automatisch „unnachhaltig“ – sie lösen häufig einfach andere emotionale und visuelle Assoziationen aus. Hier sind einige Beispiele:
1. Knallige Neonfarben – Künstlich statt natürlich
Neonfarben wie Neonpink, Neongelb oder Neonblau wirken oft laut, grell und technisch. Sie werden häufig mit Aufmerksamkeit, Innovation, Popkultur oder künstlichen Materialien verbunden und weniger mit Natur, Ruhe oder Bodenständigkeit. Für nachhaltige Marken können Neonfarben trotzdem funktionieren – besonders dann, wenn sie bewusst als Akzent eingesetzt und mit ruhigeren, natürlichen Farbtönen kombiniert werden.
2. Reines Schwarz – Elegant, aber nicht naturnah
Schwarz steht für Eleganz, Hochwertigkeit und Zeitlosigkeit. Häufig wird die Farbe mit Luxus, Technologie oder Exklusivität verbunden und weniger mit Natur oder Bodenständigkeit. In Kombination mit Erdtönen, natürlichen Materialien oder einem minimalistischen Design kann Schwarz jedoch sehr gut zu Marken passen, die Werte wie Langlebigkeit, Reduktion und bewussten Konsum vermitteln möchten.
3. Knallrot – Energiegeladen, aber nicht umweltbewusst
Rot ist eine dominante, emotionale Farbe, die für Energie, Leidenschaft und Dringlichkeit steht. In der Werbung wird sie oft genutzt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen – zum Beispiel in Sale-Schildern oder Fast-Food-Logos. Da nachhaltige Marken oft mit Ruhe, Natürlichkeit und Achtsamkeit arbeiten, wird kräftiges Rot seltener in den Mittelpunkt gestellt. Dunklere, erdige Rottöne wie Bordeaux, Ziegelrot oder Terrakotta können dagegen wärmer und naturverbundener wirken.
4. Silber & Metallic-Töne – High-Tech statt Umweltbewusstsein
Metallische Farben wie Silber, Gold oder Chrom werden häufig mit Technologie, Fortschritt, Luxus und Präzision verbunden. Dadurch wirken sie oft moderner oder technischer als klassische Naturfarben. Für nachhaltige Marken können Metallic-Töne trotzdem gut funktionieren – besonders dann, wenn sie gezielt eingesetzt und mit matten, gedeckten oder natürlichen Farbtönen kombiniert werden.
Während gedeckte, naturnahe Blautöne für Nachhaltigkeit stehen können (z. B. Türkis oder Himmelblau), wirken sehr intensive, künstliche Blautöne oft technokratisch und unpersönlich. Besonders leuchtendes Königsblau oder Elektroblau erinnern an Kunststoff, Digitales oder Chemieprodukte und haben wenig Verbindung zu ökologischen Werten.
Falls eine dieser Farben wichtig für deine Marke ist, musst du nicht darauf verzichten. Entscheidend ist, wie du sie kombinierst und in deine gesamte Markenwelt einbindest. Farben, die weniger stark mit Natur oder Nachhaltigkeit assoziiert werden, können zum Beispiel mit ruhigen Naturtönen, natürlichen Materialien oder einer passenden Bildwelt kombiniert werden.
Du musst dich nicht auf eine einzelne Farbe beschränken. Gerade die Kombination verschiedener Farbtöne kann die gewünschte Markenwirkung unterstützen. Hier sind einige Ideen für nachhaltige Farben und Farbkombinationen:
Grün & Braun – Wirkt natürlich und bodenständig und passt gut zu Bio-Marken oder Unternehmen mit starkem Naturbezug.
Blau & Weiß – Vermittelt Klarheit, Vertrauen und Modernität und eignet sich beispielsweise für Unternehmen aus den Bereichen Umwelttechnologie oder erneuerbare Energie.
Beige & Pastelltöne – Wirkt ruhig, minimalistisch und hochwertig und passt gut zu nachhaltigen Lifestyle-, Interior- oder Modemarken.
Gelb & Grün – Eine frische und lebendige Kombination, die an Sonne, Natur und Wachstum erinnert und gut zu Food- oder Landwirtschaftsmarken passen kann.
Braun & Creme – Erzeugt eine warme, natürliche und handwerkliche Anmutung und eignet sich besonders für Marken mit natürlichen Materialien oder handgemachten Produkten.
Schauen wir uns einige Marken an, bei denen Farben und Markenauftritt eine nachhaltige Positionierung unterstützen:
The Body Shop arbeitet stark mit Grün und einer von Natur inspirierten Bildwelt. Die Farbe passt damit gut zu Themen wie natürlichen Inhaltsstoffen, verantwortungsvoller Beschaffung und Ressourcenschonung, die das Unternehmen auch in seiner Nachhaltigkeitskommunikation aufgreift.
Seventh Generation setzt ebenfalls stark auf Grün, Pflanzenmotive und eine natürliche Gestaltung. Damit wird die Ausrichtung der Marke auf Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen auch visuell unterstützt.
Alnatura verbindet natürliche Farbtöne und eine ruhige, naturnahe Gestaltung mit seiner Positionierung rund um Bio-Lebensmittel und nachhaltiges Wirtschaften.
dreiturm zeigt, dass auch Blau gut zu einem Unternehmen mit Nachhaltigkeitsfokus passen kann. Das dunkle Blau im Logo wirkt seriös, vertrauenswürdig und professionell und passt damit besonders gut zu den Bereichen Hygiene, Gesundheit und Kosmetik. Nachhaltigkeit wird hier nicht allein über die Farbe vermittelt, sondern durch konkrete Maßnahmen und zertifizierte Produkte ergänzt – beispielsweise durch EU-Ecolabel-zertifizierte Reinigungsprodukte und den Einsatz erneuerbarer Energie.
Die Beispiele zeigen: Nachhaltige Farben funktionieren besonders gut, wenn sie nicht nur eine bestimmte Wirkung erzeugen, sondern zur tatsächlichen Haltung, zum Angebot und zur Kommunikation einer Marke passen.
Bevor du ein neues Design, eine Verpackung oder eine Werbeanzeige veröffentlichst, lohnt sich ein kurzer Blick auf die gesamte Bildwelt. Welche Botschaft vermitteln Farben, Bilder, Symbole und Texte gemeinsam? Entsteht dadurch der Eindruck, dass dein Produkt oder Unternehmen besonders umweltfreundlich oder nachhaltig ist, sollte diese Wirkung auch zu den tatsächlichen Eigenschaften und Maßnahmen passen. Wichtig ist außerdem, klar zu unterscheiden, worauf sich ein Umweltvorteil bezieht, zum Beispiel auf das gesamte Produkt, nur auf die Verpackung oder auf einen bestimmten Produktionsschritt. Auch selbst gestaltete Icons oder Badges solltest du prüfen, wenn sie wie ein unabhängiges Nachhaltigkeitssiegel wirken könnten.
Die wichtigste Frage lautet daher: Vermittelt meine Gestaltung mehr Nachhaltigkeit, als ich konkret und nachvollziehbar belegen kann?
Die Wahl der richtigen Farbe für dein Logo ist kein Zufall – sie beeinflusst, wie deine Marke wahrgenommen wird. Wenn Nachhaltigkeit ein wichtiger Teil deiner Positionierung ist, können Farben diese Werte gezielt unterstützen. Entscheidend ist, dass Farbwelt, Bildsprache und tatsächliches Handeln zusammenpassen. Wähle deine Farben deshalb bewusst und so, dass sie Naturverbundenheit, Verantwortungsbewusstsein oder einen bewussten Lebensstil glaubwürdig unterstreichen. Denn ein starkes Branding zeigt nicht nur, wofür deine Marke stehen möchte, sondern passt auch zu dem, was wirklich dahintersteht.
Nachhaltige Farben können deine Werte sichtbar machen – glaubwürdig werden sie aber erst dann, wenn Gestaltung und tatsächliche Umweltleistung zusammenpassen 😃.
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